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Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.

Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.

Matthäus 25, 40

Ich war vor kurzem mit Jugendlichen in Auschwitz. Alles was wir dort gesehen haben, geht unter die Haut, lässt nicht wieder los, nimmt die Gedanken und Gefühle gefangen. Ein Ort an dem unvorstellbare Not und Leid dokumentiert werden.

Mich haben besonders die Bilder von jenen Menschen bewegt, die nach den Fotoaufnahmen nur noch kurze Zeit gelebt haben. Die meisten von ihnen sind innerhalb von drei Monaten gestorben. Ihre Augen sehen in die Kamera. Manche haben einen starren Blick, manche Augen schwimmen in Tränen. Da sind die Augen von Frauen, Männern und Kindern. Keiner kann mir mehr erzählen, was sie zur Zeit der Aufnahmen bewegt hat und von vielen Menschen gibt es keine Aufnahmen, nicht einmal einen Namen. Selbst im Tod gibt es keine Individualität mehr – verbrannt und die Asche auf Feldern als Dünger gestreut, zur Entwässerung von Mooren genutzt, in Flüsse geschüttet.
Und doch haben alle eine Geschichte, ein Leben vor dem Tod. Sie hatten Familie, Freunde, sind geliebt worden und haben geliebt. Eine ganze Wand in Birkenau erzählt in Bildern die Geschichte dieser Menschen. Hier schauen sie mich lächelnd und fröhlich an. Es sind die Bilder, die ihnen wichtig waren, die sie mit auf ihre Reise in den Tod genommen haben und die nach der Befreiung des KZs Auschwitz und des Vernichtungslagers Birkenau gefunden wurden.
Ich weiß nicht, wie diese Menschen gestorben sind, was ihre letzten Gedanken waren, ob sie um ihr Leben gebettelt und doch kein Erbarmen gefunden haben.
Wie anders klingen da die Worte unseres Bibeltextes:
Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.
Jesus stellt sich auf die Seite der Geringsten, der Menschen, deren Leben eigentlich keinen Wert mehr hat oder hatte. Er macht sich mit ihnen gleich. Eins. Er sagt, es sind meine Brüder.
Ich bin froh, dass es auch damals Menschen gab, die das getan haben, was unser Bibeltext sagt: die Nackte gekleidet, die Hungrigen gespeist, die Gefangenen besucht und versorgt, die Verfolgten geholfen haben. Dass es Menschen gab, die halfen und dabei ihr eigenes Leben in Gefahr brachten, weil sie Juden versteckten.
Im Vernichtungslager Birkenau sah das so aus, dass mit Hilfe von Menschen, aus den umliegenden Dörfern, Waffen und Sprengstoff ins Lager geschmuggelt werden konnte. Auch wenn der Lageraufstand niedergeschlagen wurde, gab es den Gefangenen die Würde zurück und das Wissen, wir sind nicht allein.
Und heute?
Heute bin ich aufgefordert meine Augen nicht zu verschließen, vor Not und Leid der Menschen. Und auf jeden Fall wachsam zu sein, dass sich die Geschichte nicht wiederholt.
Und Jesus betont: „Was ihr jenen nicht getan habt, das habt ihr mir auch nicht getan.“

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Autor(en)

Manuela

Manuela

Sozialarbeiterin

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